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Stand: 03.06.2026 — Zuletzt aktualisiert: 03.06.2026

Process Mining macht 2026 sichtbar, was bisher im Bauchgefuehl der Mitarbeitenden lag: Wo verlieren wir wirklich Zeit? Wo entstehen Schleifen, Rueckfragen und doppelte Arbeit? Eine Studie von Deloitte (Maerz 2026) zeigt: Schweizer KMU, die Process Mining produktiv einsetzen, identifizieren im Schnitt 18 bis 32 Prozent Effizienzpotenzial in ihren Kernprozessen — und realisieren davon binnen 12 Monaten 40 bis 60 Prozent. Dieser Artikel erklaert das Prinzip, vergleicht die wichtigsten Tools (Celonis, UiPath Process Mining, ABBYY, Apromore) und zeigt eine 6-Wochen-Roadmap fuer den KMU-Einsatz.

Key Insight:

Process Mining analysiert die Spuren (Event-Logs) Ihrer IT-Systeme und visualisiert den realen Ablauf von Prozessen — nicht den geplanten. Typische Erkenntnisse 2026: 35 Prozent der Rechnungs-Prozesse haben mindestens eine ungeplante Schleife, 22 Prozent der Bestellungen werden manuell nachgearbeitet, 18 Prozent der Tickets durchlaufen unnoetige Zwischenstationen. Implementations-Investition fuer KMU: 12000 bis 50000 CHF.

Was ist Process Mining genau?

Process Mining ist eine datenbasierte Methode, um echte Prozessablaeufe aus IT-System-Logs zu rekonstruieren und zu analysieren. Die Software liest Event-Daten aus ERP, CRM, Ticket- oder Buchhaltungssystemen, ordnet sie nach Case-ID und Zeit, und erstellt einen Prozessgraphen mit echten Haeufigkeiten und Durchlaufzeiten. Im Gegensatz zur klassischen Prozess-Modellierung zeigt Process Mining nicht den Soll-, sondern den Ist-Zustand — inklusive aller Abweichungen, Schleifen und Engpaesse.

Drei Disziplinen im Process Mining

Discovery: Aus Event-Logs den realen Prozessgraphen ableiten. Conformance Checking: Vergleich zwischen Soll-Prozess und realer Durchfuehrung — wo weichen wir ab? Enhancement: Optimierung des Prozesses durch automatisches Erkennen von Engpaessen, Schleifen, Variantenvielfalt. Fuer KMU ist Discovery der haeufigste Einstieg, Conformance Checking lohnt sich bei regulierten Branchen.

Wann lohnt sich Process Mining fuer ein KMU?

Process Mining lohnt sich, wenn ein Prozess mindestens 500 bis 1000 Mal pro Monat durchlaufen wird, dabei mehrere IT-Systeme involviert sind und Verbesserungspotenzial vermutet wird. Klassische KMU-Kandidaten: Order-to-Cash (Auftragserfassung bis Geldeingang), Purchase-to-Pay (Bestellung bis Zahlung), Hire-to-Retire (Bewerbung bis Austritt), IT-Ticket-Handling. Bei sehr kleinen oder rein manuellen Prozessen ist Process Mining oft uebertrieben — hier reicht klassisches Process Walkthrough.

Use-Case Typische Erkenntnisse Optimierungs-Potenzial Implementation-Aufwand
Order-to-Cash Manuelle Nacharbeiten, lange Genehmigungs-Schleifen 15-25% 3-5 Wochen
Purchase-to-Pay Doppel-Bestellungen, fehlende Rechnungsfreigaben 20-35% 4-6 Wochen
IT-Tickets Unnoetige Eskalationen, Doppel-Tickets 25-40% 2-4 Wochen
HR-Recruiting Lange Wartezeiten zwischen Interview-Stufen 30-50% 3-5 Wochen
Service-Anfragen Wiederholte Rueckfragen, fehlende Erstinformationen 20-30% 2-3 Wochen

Welche Tools dominieren 2026 den Markt?

Vier Tools fuehren den Schweizer KMU-Markt an: Celonis (Marktfuehrer, sehr umfangreich, 50000 bis 200000 CHF/Jahr fuer mittlere KMU), UiPath Process Mining (gute RPA-Integration, 30000 bis 80000 CHF/Jahr), ABBYY Timeline (guenstiger, fokussiert auf Discovery, 15000 bis 40000 CHF/Jahr), Apromore (Open Source, kostenlose Community-Edition, kommerziell ab 8000 CHF/Jahr). Fuer kleinere KMU lohnt sich oft der Start mit Apromore oder ABBYY.

Wie sehen die 6 Wochen einer typischen Implementierung aus?

Woche 1: Use-Case-Definition und Daten-Extraktion-Plan. Woche 2-3: Event-Log-Extraktion aus IT-Systemen, Cleansing und Strukturierung (oft der zeitaufwaendigste Teil). Woche 4: Erste Visualisierung im Process Mining Tool, Identifikation der wichtigsten Engpaesse. Woche 5: Tiefere Analyse mit Conformance Checking und Root-Cause-Identifikation. Woche 6: Massnahmen-Plan, Quick-Wins implementieren, Reporting-Setup fuer kontinuierliche Beobachtung.

✓ Praxisbeispiel Schweizer Industrie-KMU

Ein Maschinenbau-Unternehmen in Solothurn (140 Mitarbeitende) startete 2025 mit ABBYY Timeline. Use-Case: Auftragsdurchlauf von Eingang bis Versand. Erkenntnisse: 28 Prozent der Auftraege durchliefen mindestens eine ungeplante Schleife (im Schnitt 2,4 Tage Verzoegerung). Massnahmen: Standardisierung der Genehmigung, automatische Materialverfuegbarkeits-Checks. Ergebnis nach 8 Monaten: Durchlaufzeit um 19 Prozent gesenkt, Liefertreue von 81 auf 94 Prozent erhoeht.

Was sind die haeufigsten Stolperfallen?

Drei klassische Fehler bei der Einfuehrung: 1) Datenqualitaet unterschaetzt — Event-Logs sind oft luecken- oder fehlerhaft, das Cleansing dauert meist 50 Prozent der Projektzeit. 2) Zu breiter Scope — wer drei Prozesse gleichzeitig analysiert, verliert sich in Details. 3) Fehlendes Change-Management — Erkenntnisse alleine veraendern nichts, ohne strukturierte Umsetzung verpuffen sie. Empfehlung: ein Prozess als Pilot, Quick-Wins binnen 60 Tagen umsetzen.

⚠ Datenschutz nicht vergessen

Event-Logs enthalten oft Personendaten (Bearbeiter-Namen, Kunden-IDs, Mitarbeiterstunden). Vor dem Process Mining muessen Logs pseudonymisiert werden, falls Auswertungen ueber individuelle Performance moeglich sind. Mitwirkung der Personalvertretung pruefen — in der Schweiz bei systematischer Mitarbeiter-Auswertung oft Mitspracherecht.

Wie lassen sich Erkenntnisse in echte Effizienz uebersetzen?

Process Mining liefert Daten, kein automatisches Verbesserungs-Rezept. Bewaehrte Umsetzungs-Schritte: 1) Top-3-Engpaesse identifizieren und priorisieren. 2) Root-Cause-Analyse fuer jeden Engpass (technisch, organisatorisch, kompetenz-bedingt?). 3) Quick-Wins (Standardisierung, Automatisierung kleiner Aufgaben). 4) Mittelfristige Optimierungen (Workflow-Redesign, RPA-Integration). 5) Reporting-Routine etablieren (mindestens monatliches Tracking der Verbesserungen).

Wann lohnt sich Process Mining ueber RPA?

Process Mining und RPA (Robotic Process Automation) ergaenzen sich oft: Mining zeigt wo automatisiert werden sollte, RPA setzt die Automatisierung um. Empfehlung 2026: zuerst 4 bis 6 Wochen Process Mining, dann gezielte RPA-Implementierung der erkannten Hochfrequenz-Engpaesse. Direkte RPA ohne vorheriges Mining fuehrt oft zur Automatisierung suboptimaler Prozesse — der bekannte ‚Pave the cowpath‘-Fehler.

FAQ — Haeufige Fragen

Welche IT-Systeme liefern brauchbare Event-Logs?

ERP-Systeme (SAP, Microsoft Dynamics, Abacus, Bexio) liefern in der Regel saubere Logs. CRM-Systeme (Salesforce, HubSpot) ebenfalls. Ticketing-Tools (Jira, Zendesk, Freshdesk) sind oft erste Wahl, weil die Logs besonders strukturiert sind.

Wie viel Datenvolumen brauche ich fuer aussagekraeftige Analysen?

Faustregel: mindestens 1000 Cases pro Monat ueber einen Zeitraum von 6 Monaten — also 6000 Cases minimum. Bei sehr variantenreichen Prozessen sind 50000+ Cases sinnvoll. Bei kleinen Volumen ist klassische Prozessbeobachtung oft praktikabler.

Sind die Top-Tools wie Celonis fuer kleine KMU zugaenglich?

Celonis startet bei rund 50000 CHF/Jahr — fuer kleine KMU oft zu teuer. Empfehlung: Apromore Community (kostenlos) oder ABBYY Timeline (ab 15000 CHF/Jahr) fuer den Einstieg. Bei Erfolg spaetere Migration zu groesseren Plattformen denkbar.

Wie lange dauert es, bis erste Resultate sichtbar sind?

Erste Erkenntnisse meist nach 4 Wochen sichtbar, messbare Effizienzgewinne nach 3 bis 6 Monaten. Voraussetzung: Quick-Wins werden konsequent umgesetzt. Reines Reporting ohne Massnahmen liefert keine Verbesserungen.

Brauche ich einen Process Mining Spezialisten oder kann das die IT-Abteilung selbst?

Erst-Implementierung lohnt sich meist mit externem Beratungspartner (2 bis 3 Wochen Coaching), danach kann die IT-Abteilung viele Folge-Projekte selbst stemmen. Voraussetzung: SQL-Kenntnisse, Daten-Verstaendnis, Prozess-Know-how im Team.

Process Mining Pilotprojekt

Sie wollen wissen, wo Ihre Prozesse wirklich klemmen? KI Company implementiert Process Mining Pilotprojekte in Schweizer KMU — von Daten-Extraktion bis Quick-Win-Umsetzung in 6 Wochen.


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